Flow-Moment am 16.01.2026 – Das Auge sieht, was es sucht
Thema / Inspiration:
„Das Auge sieht, was es sucht.“
Max Slevogt (1868–1932)
Tagesgedanke
Dieser Satz wirkt auf den ersten Blick schlicht. Fast banal. Und doch trägt er eine Tiefe in sich, die sich oft erst zeigt, wenn man einen Moment länger bei ihm verweilt.
Wir gehen durch die Welt mit offenen Augen – und sehen doch nur einen Bruchteil dessen, was tatsächlich da ist. Nicht, weil uns etwas verborgen wird, sondern weil unsere Wahrnehmung auswählt. Unser Blick folgt unserer inneren Ausrichtung. Dem, was wir erwarten. Dem, wovor wir uns fürchten. Dem, was wir bestätigt haben wollen.
Das Auge sieht, was es sucht. Es sieht nicht neutral, es sieht einfach.
Wenn wir nach Fehlern suchen, werden wir sie finden. Wenn wir nach Gefahren Ausschau halten, werden sie auftauchen. Und wenn wir beginnen, auf Zusammenhänge, Muster oder stille Hinweise zu achten, werden auch diese plötzlich sichtbar. Nicht, weil sie neu sind – sondern weil wir ihnen erstmals Aufmerksamkeit schenken.
Bewusstsein beginnt genau hier. Nicht im äußeren Sehen, sondern im inneren Beobachten, das Auge nach innen richten, damit es sieht was es sucht. In der Frage, warum uns etwas auffällt – und anderes nicht. Was wir für selbstverständlich halten. Und was wir bisher übersehen haben.
Manche nennen dieses bewusste Wahrnehmen „inneres Sehen“. Andere sprechen vom dritten Auge, ohne es mystisch zu meinen. Gemeint ist damit kein übernatürlicher Blick, sondern die Fähigkeit, nicht nur zu schauen, sondern wahrzunehmen. Zwischen den Dingen. Hinter den ersten Eindrücken.
Je klarer unser innerer Fokus wird, desto differenzierter wird auch unser Blick nach außen. Wir reagieren weniger automatisch. Wir beginnen, Fragen zu stellen. Und plötzlich erkennen wir, dass vieles nicht zufällig ist – sondern nur lange unbeachtet blieb.
Vielleicht ist das die Einladung dieses Satzes:
Nicht alles zu glauben, was wir sehen.
Aber genauer hinzuschauen, warum wir genau das sehen.

Mini-Übung (3–5 Minuten)
Gehe heute bewusst durch einen kleinen Teil deines Alltags – einen Weg, einen Raum, eine Situation.
Stelle dir dabei eine einfache Frage:
Was fällt mir sonst nie auf?
Beobachte ohne Bewertung. Ohne Deutung. Nur wahrnehmen.
Vielleicht verändert sich nicht die Welt – aber dein Blick auf sie.
🌸 Flow-Projekt 2026 – Bewusst durch das Jahr
